ReslienzSeit mehr als 20 Jahren scheint das Resilienzkonzept auf die theoretischen Diskussionen und auf die empirische Forschung der Humanwissenschaften, besonders der Psychologie, eine besondere Wirkung zu haben. Heute gibt es kaum noch eine wissenschaftliche Veröffentlichung, in der dieses Konzept nicht verwendet, erläutert, diskutiert, differenziert oder kritisiert wird. Das Thema Resilienz wird mittlerweile auch von populärwissenschaftlichen Magazinen oder Ratgeberliteratur aufgegriffen, wobei die wissenschaftskonforme Verwendung zweifelhaft ist. Die besondere Bedeutung des Resilienzkonzepts liegt in der Umkehr der wissenschaftlichen „Denkrichtung“. Die theoretische und empirische Aufmerksamkeit richtet sich nicht mehr überwiegend auf Entwicklungsdefizite oder -störungen bzw. Fehlanpassungen und deren Behebung. Sie nimmt vielmehr die Stärken der Individuen, die positiven und gesunden Kräfte und deren Förderung in den Blick. Diese neue Blickrichtung ist hoffnungsvoll auf die positiven Potenziale der Individuen gerichtet. Herkunft des Resilienzkonzepts Resilienz leitet sich vom englischen Wort „resilience“ ab und bedeutet Spannkraft, Widerstandsfähigkeit und Elastizität. Ursprünglich kommt der Begriff aus der Werkstoffkunde, gewinnt aber in den Humanwissenschaften eine wesentliche Bedeutung: Resilienz ist die psychische Widerstandsfähigkeit von einigen Menschen gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken, an denen viele andere Schaden nehmen. Das Phänomen der Resilienz bezieht sich auf die Abwehr von fehlangepassten Reaktionen angesichts belastender Lebensumstände (vgl. u.a. Wustmann 2004; Zander 2008). Der Begriff Resilienz wurde zuerst über eine Studie der amerikanischen Entwicklungspsychologin Emmy E. Werner und ihrem Team bekannt. Dies verfolgte 40 Jahre lang die Entwicklungsverläufe von fast 700 Kindern, die 1955 auf der Hawaii-Insel Kauai geboren wurden. Etwa ein Drittel von ihnen wuchs unter für ihre Entwicklung höchst riskanten sozialen Bedingungen auf. Werner und ihr Team fanden, dass etwa zwei Drittel dieser „Risiko-Kinder“ höchst problematische Entwicklungsverläufe hatten. Unerwartet jedoch wuchs ein Drittel der Risiko-Kinder zu kompetenten, psychisch gesunden, leistungsfähigen und zuversichtlichen Erwachsenen heran. Sie erwiesen sich als resilient gegenüber den Entwicklungsrisiken, die ihr Umfeld barg. In der Literatur gibt es drei Erscheinungsformen von Resilienz:Reslienz fördern
  • eine positive Entwicklung eines Individuums trotz andauerndem hohen Risikostatus, z.B. bei Aufwachsen in chronischer Armut und niedrigem ökonomischen Status,
  • eine beständige Bewältigungskompetenz unter akuten Stressbedingungen, z.B. infolge Trennung, Scheidung oder chronischer Krankheit etc.
  • eine positive bzw. schnelle Erholung von traumatischen Erlebnissen, wie z.B. dem Tod eines nahe stehenden Menschen, Erleben von Naturkatastrophen und Krieg
Resilienz und Prävention Wie oben erwähnt, führte das Thema Resilienz zu Fragen nach Widerstandskräften der Individuen und deren Stärkung. Hier wird sofort deutlich, dass Resilienz in direktem Zusammenhang mit der Prävention von Entwicklungsdefiziten und -störungen bzw. Fehlanpassungen steht. Denn die „Ergebnisse der Resilienzforschung machen immer wieder deutlich, dass frühzeitige (und damit präventive) Unterstützung und Förderung wesentlich dazu beitragen, die persönliche Entwicklung nachhaltig zu beeinflussen“ (vgl. Fröhlich-Gildhoff und Rönnau-Böse 2009:57). Voraussetzung für präventive Maßnahmen ist neben dem Wissen um widrigen Lebensumstände und um Schutzfaktoren auch die Erforschung, wie solche Maßnahmen aussehen müssen, um präventiv tauglich zu sein und um die Resilienz fördern und stärken zu können. Die gesunde Entwicklung gefährdender Lebensverhältnisse sind aus der Defizitforschung hinlänglich bekannt. Dazu zählen als wichtigste:
  • die Risikofaktoren wie Armut, Vernachlässigung, psychisch kranke, drogen- und/oder alkoholabhängige Eltern sowie Erfahrungen mit Misshandlungen aller Art.
  • Weitere Risikofaktoren sind anhaltende extreme Stressbedingungen wie chronische Krankheiten oder Behinderungen.
  • Aber auch traumatische Erfahrungen wie Naturkatastrophen, Kriegserlebnisse, Tod eines nahe stehenden Menschen und Erleben von (sexueller) Gewalt sind Risikofaktoren.
Notwendiges Grundlagenwissen für den Blick auf die Stärken und sozialen Ressourcen im Umfeld sind:
  • schützende Faktoren in der Familie. Vertrauen und Selbstbewusstsein sind eine Grundlage für Resilienz
  • lebensbegünstigende Eigenschaften, sind Aktivität, Gutmütigkeit, Geselligkeit und Ausgeglichenheit
  • Umgebungsbezogene schützende Faktoren wie Kontakt zu Freunden, Kollegen, Nachbarn helfen eine positive Lebensperspektive zu entwickeln
Im „Konzert“, in Interaktion mit einem schützenden Umfeld führt die individuelle Disposition resiliente Menschen also dazu, sich „eine Umwelt auszuwählen, die sie schützt und ihre Fähigkeiten und ihr Selbstbewusstsein verstärkt“ (Werner 2007:25). Darüber hinaus haben sich resiliente Menschen meist schon sehr früh hohen Leistungsanforderungen stellen und Verantwortung übernehmen müssen und diese Herausforderungen bewältigt. Sie konnten sich so als kompetent und belastbar erfahren und besonders ihre Selbstwirksamkeit stärken. Resilienz ist also ein Prozess der Wiederherstellung der Balance zwischen Stressoren und Schutzfaktoren durch konstruktive Krisenbewältigung. Resilienzorientierte Präventionsprogramme müssen demnach zuvorderst eine Stärkung der Schutzfaktoren zum Ziel haben. Angebote von pemotion zu diesem Thema können Sie hier entnehmen. Weiter empfehlen wie die Homepage www.resilienz.at für weitere Informationen

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